Postkarte: Es ist nie genug
Logo! .de
Grafik von und mit:

am Klavier:


Regie:

Komposition:

Premiere:
Petra Afonin

Susanne Hinkelbein /
Simone Witt

Sibylle Broll-Pape

Susanne Hinkelbein

4. Februar 2015
in Bochum
„prinz regent theater“

Als im Jahr 2000 das Programm „Bevor ich gehe, bleibe ich“ zum Thema Demenz entstand, war nicht abzusehen, dass die Aufführung mehrfach mit Auszeichnungen bedacht und sich vor allem noch 14 Jahre später im Gastspielrepertoire halten würde. Das neue Theater- und Chanson-Programm „Es ist nie genug“ geht inhaltlich noch einen Schritt weiter. Wir begegnen hier alten Kindern sehr alter Eltern, die in der Pflege und Begleitung aktiv sind, ob zu Hause oder in einer Pflegeeinrichtung.

„Es ist nie genug“ könnte auch heißen: Komme ich selbst noch vor? Der viel zitierte „Burnout“ ist bei pflegenden Angehörigen keine Seltenheit. Begleitung hat meist keine Lobby und Begleitende verfügen über wenig Freiraum für sich selbst.

Wie sieht eigentlich Begleitung aus, wenn die Beziehung – zum Beispiel zu Vater oder Mutter – nicht gut war?
Auf welche Weise wird ein Mensch betrauert, der nie für uns dagewesen ist?

Wird Trauerarbeit schon zu Lebzeiten geleistet, zum Beispiel bei der Betreuung von Demenzkranken?

Hilft das Pflegen älteren Menschen dabei, selbst einen Lebenssinn zu finden und sich gleichzeitig auf das eigene Älterwerden vorzubereiten?

Gibt es sie tatsächlich, die Lebenssattheit, die alte Menschen nach einem erfüllten Leben beschreiben?

Sind Senioreneinrichtungen wirklich so schlecht wie oft ihr Ruf oder spricht man zu Unrecht vom sogenannten „Abschieben“?

Das sind nur einige der vielen Fragen, denen Petra Afonin bei der Recherche für „Es ist nie genug“ nachgegangen ist. Trotz des schweren Themas bietet das Stück aber auch Raum für Utopie und Träume – und sogar für kabarettistisch-heitere Momente. Das Grundklima des Programms ist ein Jasagen zum Leben, verbunden mit dem Wunsch nach Selbstbestimmung. Der Hospizgedanke, Leben bis zuletzt zu gestalten, zieht sich wie ein roter Faden durch die Aufführung und ermöglicht Vertrauen auf Begleitung bis zuletzt.

Petra Afonin über ihre Motive, dieses Folgeprogramm von „Bevor ich gehe, bleibe ich“ geschrieben zu haben:

Grafik
Anführung

Wir Theatermenschen geben keine Antworten auf existentielle Fragen, wir versuchen jedoch mutig, diese Fragen zu stellen. An einem Theaterabend treffen sich Menschen live in einem Raum, um sich von einem Thema berühren zu lassen. Hier wird sogar unsere Endlichkeit zu einem gemeinsamen Lebensgefühl. Ich empfinde im Theatersaal oft eine Art stärkenden Rückenwind.

Anführung

 

Pressestimmen:

Man kennt das, man muss das eigentlich nicht noch extra aufgetischt bekommen – und trotzdem ist dieser Abend genau der richtige für alle, die zwischen den Stühlen sitzen. Weil er so unglaublich gut tut. Weil man sich verstanden fühlt, erkannt und getröstet. Und weil es Petra Afonin wie keine andere versteht, die warmen menschlichen Zwischentöne ebenso wie die nackte Verzweiflung, den trotzigen Galgenhumor und die tiefschwarzen Abgründe nebeneinander aufmarschieren und da einfach stehen zu lassen in all ihrer Widersprüchlichkeit. Afonins Texte vertont hat Susanne Hinkelbein, oft mit Melodien aus der Jugend der heute 80-jährigen Menschen. Simone Witt am Klavier spielt mit Genuss.

(Westfälischer Anzeiger, 6.2.2015)

 

Pflegeheim, Pflegestufe oder das Märchen vom Lebensabend: Es sind nicht die leichtesten Stoffe, die sich Petra Afonin für ihren neuen Chanson-Abend am „prinz regent theater“ ausgesucht hat. Das trotzdem keine bierernste Veranstaltung daraus geworden ist, liegt an dem ganz speziellen Händchen, mit dem die beliebte Schauspielerin aus die traurigsten Themen anpackt. Wie Afonin mit leisem Witz, Ironie und durchaus charmant vom Sterben und Zurückbleiben erzählt, ohne rührselig oder (schlimmer) hochnäsig zu klingen: das schafft wirklich nur sie.

(WAZ Bochum, 6.2.2015)

 

Das Dilemma, eine Balance zwischen eigenem Leben, eigenen Interessen und der Unterstützung eines alten kranken Menschen zu finden, ist nicht einfach, da einen ständig das Gefühl begleitet, sich nicht ausreichend zu kümmern. Afonin hat ihr Programm passenderweise „Es ist nie genug“ genannt (Regie: Sibylle Broll-Pape). Ihr gelingt es, einem todtraurigen Themenkomplex viele schwarzhumorige Aspekte beizufügen. Ihre Beobachtungen sind realitätsnah und berührend. Ihre intelligent und treffsicher formulierten Geschichten und Chansons trägt sie ausdrucksstark, mit einer schmunzelnden Weisheit vor. Die heitere beschwingte Pianobegleitung von Susanne Hinkelbein steht im Kontrast zum ernsten, aber nie rührseligen Inhalt.

(Reutlinger Generalanzeiger, 3.2.2015)

 

Schwere Kost, aber mit Humor serviert. Man muss nicht selbst einen Angehörigen pflegen, um von Petra Afonins neuem Programm „Es ist nie genug“ berührt zu werden.

(Schwäbisches Tagblatt , 3.2.2015)

 

Petra Afonin zeigt, dass man über alles singen kann: Auch über das Sterben – Begleiten – Zurückbleiben. Der zart-ironische Chanson-Abend über Begleitumstände des Lebensabends feierte jetzt Vorpremiere.

(Südwest Presse 3.2.2015)

 

Afonin, la Grande, vermag es wie kaum eine andere, auch diesem schwierigen Sujet heitere Aspekte zu entlocken. Ein Abend, der viele Fragen aufwirft und anschneidet, aber bei dem es, wie so oft, keine einfachen und nur individuellen Lösungen und Antworten geben kann: ebenso grandios wie berührend.

(Herner Sonntagsnachrichten)