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Von Oktober 2015 bis Oktober 2016 hat die Künstlerin auch theaterpädagogisch gearbeitet:

Grafik
Kostümbildnerin Magdalene Buschbeck hat in ihrer Tübinger Werkstatt im Sommer 2016 für das Theaterprojekt mit Stoffen und Kostbarkeiten die Arbeit noch bunter gestaltet.
“Waren Sie schon mal gescheit?”

Ein Theaterprojekt mit Menschen aus dem Christophsheim

Ein Jahr haben sich Bewohnerinnen und Bewohner mit Theaterprofis regelmäßig getroffen, um aus ihren eigenen Themen, Fragen, Denkanstößen ein Theaterprogramm machen. Sehnsüchte und Hoffnungen, Erinnerungen und Perspektiven, Erlebnisse zum Lachen und manchmal auch zum Weinen, Heimalltag und Highlights wechseln sich ab … Sie haben komödiantische Szenen erarbeitet, Märchen, Gedichte, freche Cover-Versionen von Schlagern geschrieben und vor allem hatte die Theatergruppe lebendigen Spaß bei der Probenarbeit.

Das Programm stellt den Begriff „normal“ augenzwinkernd in Frage.

Wie „gescheit“ sind wir alle?

Kennen Sie das „Märchen von der Tablettenfreiheit“?

Was hat es auf sich mit der viel zitierten Augenhöhe?

Warum sind wir nicht draußen sondern hier im Christophsheim?

Musikalische und Theatralisches aus dem Schutzraum, ohne doppelten Boden, direkt und offen.

Regie: Petra Afonin
Assistenz: Ursel Weikert
Am Klavier: Susanne Hinkelbein

Im Mittelpunkt: Die Mitwirkenden der Schreib- und Theaterwerkstatt im Christophsheim Göppingen
Premiere: Sonntag, 16. Oktober 2016, Beginn: 16.00 Uhr


Die Presse:
Anführung Die Besucher sind nicht ruhiggestellt
Theaterprojekt „Waren Sie schon mal gescheit?“, fragten elf Bewohner des Christophsheims und begeisterten im rappelvollen Alten E-Werk in Göppingen Immer wieder gab es Zwischenbeifall, Begeisterungsrufe und am Schluss sogar Ovationen im Stehen. Schon der Beginn mit den Stimmen aus dem Off war irgendwie – ja – verrückt. Ein schlauer Schachzug der Akteure, quasi sich selbst und ihre Lebensumstände auf die Schippe zu nehmen. Das befreit, insofern hatte das Publikum auch den Mut, ehrlich und lautstark zu lachen. Die Akteure machten es einem leicht, ließen einen vergessen, dass jeder auf seine ganz spezielle Art psychisch krank ist. Nach dem Motto „Nicht jeder, der einen Vogel hat, ist auf der Geschlossenen“ ging es mit erfrischendem Liedgut weiter. … Unter den Fittichen von Regisseurin Petra Afonin, Heimleiterin Jungblut-Rassl sowie vielen Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern, wurden viele ernste Themen diskutiert, Sehnsüchte in Worte gefasst und Visionen theatralisch umgesetzt. … Sehr nachdenklich stimmte das von Norbert Holzhüter selbst geschriebene und gut interpretierte „Märchen von der Tablettenfreiheit” … Ein kunterbuntes Programm mit jeder Menge Glanzlichter haben die Bewohner des Christophsheims da auf die Beine gestellt.
(NEUE WÜRTTEMBERGISCHE ZEITUNG)Anführung

Originalzitate der Bewohnerinnen und Bewohner aus der Schreibwerkstatt während der Probenarbeit:

                    „Die Sehnsucht, sich eine Stimme zu geben,
                    dass ich lebe, existiere,
                    die Sehnsucht, gehört zu werden ...“

„Sehnsucht hat Zeit. Sehnsucht ist nicht zackzackzack.“

„NORMAL ist nur ein Gurgellaut.“

„Ich muss schreiben, um das Wort in mir zu halten.
Beim Schreiben, ja … da läuft die Unruhe dir in dein Herz.“

„Ich muss mich nicht verstellen,
ich bin schon verstellt genug.“

„Mr braucht halt ebber,
der oinen schuggt.“

Danke für die Begegnung! Unsere guten Wünsche
für Irmgard G., die das Lachen erfunden hat
für Brigitte S., die weiß, dass für sie weniger mehr ist
für Andrea Z., die noch viel Lebenszeit vor sich hat und sich darauf freuen möge
für Evi F., die vieles mit nur einem Satz auf den Punkt bringt
für Ingrid H., die mit sich im Reinen ist
für Liselotte R., die wir, weil sie kein Schwarzbrot mag, ‚Lilo Baguette‘ nennen
für Kifle I. aus Eritrea, der bei uns in Schwaben seine Lieblingsspeise gefunden hat (Maultaschen)
für Rosemarie M., die weiß was sie will und vor allem was sie nicht will
für Ingeborg A., die auf der Bühne aufblüht wie eine Rose
für Norbert H., der eine große Sehnsucht nach Ruhe hat
für Silvia C., die Frau mit dem großen Herzen

 

Mit freundlicher Unterstützung:

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„Schnabeltassen“ Eine Altenheim-Revue
von Petra Afonin

Regie: Thomas Goritzki
Premiere: 17. März 2016
Württembergische Landesbühne Esslingen (WLB)
Musikalische Leitung und am Abend live am Klavier: Susanne Hinkelbein

Anführung
Anführung Auf uns wartet niemand. Aber wir sind da. Und wir gehen noch lange nicht.

Das Chorsingen: in jeder Senioreneinrichtung ein wichtiges Unterhaltungsangebot. Denn bekanntlich setzt gemeinsames Singen bei alten Menschen Emotionen und Erinnerungen frei … Hier treffen sie aufeinander, die Gehbehinderten, Parkinsonpatienten, Dementen, die Hypochonder und die Frohnaturen und sie singen sich die Seele aus dem Leib. Das Repertoire der „Schnabeltassen“ reicht vom Zwanzigerjahre-Song über Hildegard Knef bis zum sonnigen Sommerschlager „Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu-Strandbikini“. Auch wenn manchmal im Speisesaal der Futterneid regiert, die Bewohnerinnen und Bewohner permanent um die Gunst des Personals konkurrieren oder alte Herren nach wie vor die Damenwelt umgockeln – die Musik bringt wirklich alle unter einen Hut, den schrägen Alterscasanova und die biedere Dauergewellte. In dieser Revue streitet und verliebt man sich, man beschwert sich mit dem „Schnabeltassenblues“ und bejaht das fortgeschrittene Alter dann aber trotzdem mit „Marmor, Stein und Eisen bricht“.
8 Schauspielerinnen und Schauspieler in insgesamt 10 Rollen mit einer energischen (und ziemlich schwäbelnden) Pianistin an der Front wirbeln szenisch und musikalisch durch den Altenheimalltag, sorgen für Ohrwürmer, viel Humor und manchmal auch für etwas Melancholie.
Diese Revue ist mehr als ein Schlagerabend, Sprachwitz in den Szenen und virtuose Musiknummern bestimmen den temporeichen Abend mit viel Gefühl, Witz und Herzenswärme.

Die Presse:

Das große Kommen und Gehen
Uraufführung von Petra Afonins Altenheim-Revue “Schnabeltassen” an der Esslinger Landesbühne
Anführung Obwohl als Revue konzipiert, hält das Stück auch eine tragfähige Liebesgeschichte parat, die in der schlüssigen Inszenierung von Thomas Goritzki erst gegen Ende herausgearbeitet wird. Hier werden dann, vor allem dank der ingeniösen schwäbischen Textversionen von Petra Afonin, die “Schnabeltassen” in bester Musical-Manier mit perfekt adaptierten Evergreens gefüllt – die Dialekt-Coverversionen “Bischt Du einsam heut Nachd” und in 50 Jahren ist alles vorbei” sind zum Niederknien. Auch die Brecht/Weill-Adaption im “Lied von der Unverträglichkeit des altersgerechten Eintopfs” ist trefflich abgeschmeckt. Zudem hat Afonin ihrer Ode an die gemanagte Vergänglichkeit einige ariose Lebenszeit-Betrachtungen einkomponiert, und überhaupt erweist sich die Autorin als eine ebenso präzise wie witzige Beobachterin des ganz normalen Altenheim-Wahnsinns, die das Schwere, Melancholische und Traurige leicht werden lässt, ohne es an die Oberflächlichkeit eines Seniorenstadls zu verraten. Es wird in der gesamten Gefühlsbandbreite von sklerotisch-aggressiv bis emotional-inkontinent schwadroniert, memoriert und schwerhörig aneinander vorbei palavert, dass es eine rechte Mundart hat. Vorn herum wird gelächelt und hinter dem Rücken übereinander hergezogen und gelästert. Futterneid und Eifersucht, Lust und Laster kennen auch in diesem Low-Budget-Heim, in dem natürlich adrette osteuropäische Billigpflegekräfte die Insulinspritze verabreichen, keine Altersbeschränkung. Und boshaft können sie sein, die Alten, wenn sie sich mit ihren Gebrechen aufziehen – der Schüttelreim zur Schüttellähmung fällt ihnen auch bei nachlassenden Geisteskräften prompt ein.Anführung

“Schnabeltassen” sind im aktuellen Repertoire der Württembergischen Landesbühne Esslingen (WLB).